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Hand aufs Herz – 3 Fragen an Jehuda Spielman

 Hand aufs Herz – 3 Fragen an Jehuda Spielman

Jehuda Spielman ist orthodoxer Jude und kandidiert bei den kommenden Gemeinderatswahlen der Stadt Zürich vom 13. Februar auf der FDP-Liste. Ein streng gläubiger Jude, der sich für eine liberale Gesellschaft engagiert – kann das gut gehen? Liberethica hat bei ihm nachgefragt.

 

Liberethica: Was verstehen Sie unter «liberal» und was hat den Ausschlag für Ihren politischen Kompass gegeben?

Jehuda Spielman: Leben und leben lassen. Jeder Mensch sollte sein Leben so leben können, wie er es für sich passend hält. Solange die Freiheiten anderer nicht dadurch beeinträchtigt werden. Eine Politik, die übermässig reguliert und moralisiert, erzieht die Staatsbürger systematisch zur gesellschaftlichen Inkompetenz.

Liberethica: Ist Religion eher förderlich oder erschwerend für die Entwicklung einer liberalen Gesellschaft?

Jehuda Spielman: Weder noch. Eine religiöse Person, die das Recht auf andere Lebensweisen respektiert, ist liberaler als ein Atheist, der die Religionsfreiheit einschränken möchte.

Liberethica: In vielen politischen Fragen (Ehe für alle, assistierter Suizid u.a.) stehen konservative und liberale Positionen einander diametral gegenüber. Als strenggläubiger Jude sind Sie konservativ, als Staatsbürger liberal. Hand aufs Herz: Führt das nicht unweigerlich zu einer Zerreissprobe?

Jehuda Spielman: Wenn die Zivilgesellschaft etwas will, das ich in meinem Privatleben nicht integrieren möchte, ist dies kein Problem, solange ich nicht zum Mitmachen gezwungen werde. Beispielsweise: wenn eine Mehrheit der Gesellschaft den Konsum von Cannabis legalisieren will, ist mir das egal, weil ich ja nicht zum Konsum gezwungen werde.

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