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Gemeinderat unterstützt Museum Brunngasse

Gemeinderat unterstützt Museum Brunngasse

Eine dringliche Motion im Zürcher Gemeinderat könnte der finanziellen Unsicherheit des Museums Brunngasse ein Ende setzen

Zwei Postulate wurden bereits eingereicht, um die Rudolf-Brun-Brücke umzubenennen und dem Profiteur des Pogroms von 1349 gegen die jüdische Bevölkerung die übergrosse Ehre zu mindern.

Doch das gut gemeinte Anliegen erschien wenig aussichtsreich. Weitaus besser stehen die Chancen, dass die finanzielle Unsicherheit des Kleinmuseums Brunngasse mit den mittelalterlichen Wandmalereien bald ein Ende haben wird. Immerhin konnte an der letzten Augustsitzung des Gemeinderats eine entsprechende dringliche Motion an den Stadtrat überwiesen werden. Darin verlangt Jehuda Spielman (FDP) gemeinsam mit Walter Angst (AL) sowie acht weiteren Unterzeichnern von sämtlichen Parteien, die im Rat vertreten sind, einen Investitions- und Betriebsbeitrag für das Museum «Schauplatz Brunngasse». Insbesondere sollen die Räume langfristig als Museum genutzt werden und nicht mehr als Wohnobjekt dienen. Hier, in der städtischen Liegenschaft mit der Hausnummer 8, befinden sich die kulturgeschichtlich ausserordentlich bedeutsamen Wandmalereien, die Frau Minne und ihre Söhne, Rabbiner Moses Ben Menachem und sein Bruder Mordechai, einst in Auftrag gegeben haben. Die Dringlichkeit des Anliegens haben 102 der 125 Ratsmitglieder unterstützt.

Der private Verein, der als «Schauplatz Brunngasse» ins Kulturleitbild der Stadt Zürich von 2020–2023 aufgenommen wurde, kann langfristig die Betriebskosten nicht mit privaten Spenden decken. Dafür müsse, so die Motion, ein Investitionskredit gesprochen werden. Nun bleiben dem Stadtrat zwei Jahre Zeit, um für den Gemeinderat eine Weisung auszuarbeiten. Dann wird der Gemeinderat über die Weisung debattieren und entscheiden.

Motionär Spielman wird übrigens am 27. Oktober die Mesusa am Eingang des Kleinmuseums anbringen. «Mein Grossonkel Erich Hausmann wäre wohl stolz auf mich», sagt er zufrieden im Gespräch mit tachles. Hausmann hatte lange vor der Entdeckung der Wandmalereien, Mitte der 1990er-Jahre, auf die bedeutenden Schriften von Rabbi Ben Menachem hingewiesen. Das Interesse der breiten Öffentlichkeit zeigte sich auch am Samstagabend bei der Langen Nacht der Zürcher Museen: Mehr als 580 Besuchende kamen, um sich die Geschichte und die Bedeutung der Wandmalereien erklären zu lassen.

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